Berlin-Pankow, Mühlenstraße, abends um 17:00 Uhr. Mike Moineau steigt die sechs Stufen zur Eingangstür der Two Fellas Brewery hoch und schließt die Tür zum Schankraum auf. Links ist der zukünftige Braubereich mit den Gärtanks, rechts der Tresen mit Zapfanlage. Dazwischen stehen Holztische und Stühle. Noch hört man nur das leise Brummen der Bierkülung. Aber bald schon wird sich der Raum mit dem Stimmengewirr von Leuten füllen, die hier ihr Feierabendbier trinken.

Seit anderthalb Jahren gehört die Kneipe in der Mühlenstraße jetzt schon den Two Fellas.
Eigentlich wollten die beiden hier längst ihr eigenes Bier brauen. Aber kurz vor Unterzeichnung der Finanzierung für die Brauanlage kam immer wieder etwas dazwischen. Mal fehlten Türen, die den Schankraum vom Brauraum trennen, mal war der Abstand zur Wand zu klein, die Schalldämmung nicht ausreichend. Die behördlichen Anforderungen in Deutschland sind hoch – Neuland für die beiden US-Amerikaner. Deshalb lassen sie ihre Biere immer noch in der Bierfabrik brauen. Die Two Fellas – das sind Mike Moineau und Robert Faber.

Die beiden lernten sich auf einem Bierfest kennen

Angefangen hat alles mit einem Bierfest im Norden Berlins: Dort lernten die beiden sich im Juni 2014 kennen. Mike erinnert sich: „Robert hatte so ein Milwaukee Brewers T-Shirt an und auch ein Milwaukee Tattoo auf seinen Beinen. Da habe ich ihn angesprochen, ob er aus Wisconsin kommt.“ (Anm.: Milwaukee, die Hauptstadt des US-Bundesstaats Wisconsin, hat eine lange Brautradition, die sich auch im Namen des Baseball-Teams Milwaukee Brewers niederschlägt.) Es stellte sich heraus, dass Robert gerade erst mit seiner Frau aus den USA nach Deutschland gezogen war. Hier arbeitete sie als Post-Doc in einer Forschungseinrichtung. Robert hatte in Milwaukee als Kindertherapeut gearbeitet und in seiner Freizeit ging er seiner Leidenschaft – dem Bierbrauen – nach. „Da hat Robert gefragt ob ich Bier brauen möchte – ob ich Lust habe eine Brauerei in Berlin aufzumachen.“

Mike hatte zu diesem Zeitpunkt schon viele verschiedene Sachen ausprobiert: Er war Englischlehrer, arbeitete als Redakteur und als Ghostwriter. Alles Jobs, bei denen der gebürtige Amerikaner sein Englisch gut einsetzen konnte. Aber echte „Leidenschaft“ war nicht dabei, wie er sagt. Die kam erst mit seinem letzten Aufenthalt in den USA – in Chicago – wo er eine Zeit lang in einer Bier-Bar arbeitete. Mike sagte zu. Die Two Fellas waren geboren.

Ihr erstes „Two Fellas“-Bier verkauften Sie im Castle Pub

Ungefähr zur gleichen Zeit traf Ben Fisher, Inhaber eines Pubs in der Hochstraße in Gesundbrunnen (Berlin-Mitte), mit seinen beiden Partnern eine wichtige Entscheidung: „Wir hatten mit acht Zapfhähnen im Castle Pub angefangen und Burger, Fish and Chips und Irish Stew auf der Speisekarte. Nach einem Jahr war uns dann klar, dass es mehr um die Getränke geht und weniger ums Essen. Deshalb haben wir die Küche geschlossen.“ Ein Glück für die Two Fellas, die eines Tages im Castle Pub aufkreuzten. Ben Fisher erinnert sich: „Die beiden wollten Brauen, wir hatten eine 80 m² große, ungenutzte Küche. Sympathisch waren sie auch – das hat uns gereicht.“

Wenn Mike heute an die Zeit zurück denkt, dann macht er das mit einem Lächeln – am Anfang brauten die beiden mit zwei Einkochautomaten und zwei Gärfässern: „Es war auf jeden Fall alles ziemlich homemade.“ Mit der Zeit verbesserten sie das System und ihre Abläufe immer weiter. Es kamen weitere Einkochautomaten und Gärtanks hinzu, eine automatische Steuerung, ein eigenes Kühlsystem und vor allem immer mehr Erfahrung: „Wir konnten unsere Ausbeute immer weiter erhöhen und das Bier günstig herstellen“, meint Mike. Und das Bier kam an: Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 vervierfachten die zwei Amerikaner die Produktion ihrer Biere: „Two Fellas wuchsen so schnell, dass wir eine eigene Brauerei brauchten“.

Wir sind so Craft Beer Leute und haben Bärte und tragen Karo

Mit ihrer Hausbrauerei in der Mühlenstraße haben sie sich diesen Wunsch nun fast erfüllt. In drei bis vier Monaten wollen sie ihr Bier endlich auch vor Ort brauen. Bis dahin entwickelt Robert die Rezepte, nach denen in der Bierfabrik gebraut wird und macht Mittwochs immer die Pizza im Two Fellas. Mike steht bis zu drei mal die Woche hinter dem Tresen, kümmert sich um das Geschäftliche, die Finanzen. Einmal in der Woche gibt es ein Pubquiz, Mittwochs bis Samstags Pizza und zwischendurch immer wieder spezielle Angebote für Mitglieder des Mug-Clubs.

Das Konzept geht auf, es kommen nur nicht so viele Leute von der gegenüberliegenden Boulder-Halle, wie die beiden anfangs dachten. Es sind eher alte Pankower, die hierher kommen. Alles geht ruhiger zu als im trendigen Neukölln, wo Mike wohnt. Aber das ist ok: „Ja, es stimmt – wir sind so Craft Beer Leute und wir haben Bärte und tragen Karo. Aber was uns echt wichtig ist, worum es uns geht ist, dass unser Bier handwerklich gebraut ist.“

Unser Ziel ist, dass Berlin lernt, was Fellas bedeutet: gutes Bier

Über einen Namen haben die beiden lange nachgedacht, meint Mike: „Wir wollten etwas mit ‚Ale‘ drin. Aber alle diese Namen sind schon weg. Am Ende sind wir zwei Kumpel aus den USA. Hat Sinn gemacht. Klang gut. Leider ist das Wort ‚Fella‘ schon schwieriger als andere englische Wörter. Man hört es nicht so häufig und ist unsicher wie man es ausspricht. Aber unser Ziel ist, dass Berlin lernt, was Fellas bedeutet: gutes Bier.“