Vor ziemlich genau 20 Jahren – am 21. November 1999 – eröffnete die Braurei Lemke in einem ausgebauten S-Bahnbogen unter der Stadtbahn in Berlin. Mit der dort installierten Brauanlage konnten zwei Hektoliter Bier (200 Liter) pro Tag hergestellt werden. Für eine Gasthausbrauerei nicht gerade viel. Trotzdem konnten die Gäste in den ersten Monaten aus mehr als 50 verschiedenen Biersorten wählen. Schnell merkte das Team um Oli Lemke, dass die Gäste mit soviel Kreativität überfordert waren und reduzierten das Angebot nach einem Jahr auf 12 bis 15 Biere.

Vier Jahre später war das Gasthaus unter den S-Bahn-Bögen etabliert und es bot sich die Möglichkeit, die Tiergartenquelle zu übernehmen. Die in Sichtweite eines Studentenwohnheims gelegene Kneipe war bei vielen TU-Studierenden beliebt. Auch der Betrieb im S-Bahn-Bogen am Hackeschen Markt läuft zu diesem Zeitpunkt auf Hochtouren und das Team um Oliver Lemke kommt mit dem Brauen kaum nach. Die Kapazität der Brauanlage gerät an ihre Grenzen. Da tut sich 2004 eine weitere Gelegenheit, ein Gasthaus zu übernehmen, auf: Leopold’s Brauhaus am Alexanderplatz steht zum Verkauf. Gerade zur rechten Zeit. Lemke macht daraus das Brauhaus Mitte.

Jetzt wird bereits an drei Orten Berlins Lemke-Bier ausgeschenkt. Das hätte sich Oli Lemke 1989 wohl nicht ausgemalt. Zu dieser Zeit absolvierte er gerade ein studienvorbereitenden Praktikums im Luisenbräu am Schloss Charlottenburg. Noch abwegiger war wohl der Gedanke, dass er einmal selbst Inhaber des Luisenbräus sein würde. Aber 2007 wird genau das Realität: Das Luisenbräu – die älteste Gasthausbrauerei Berlins – wird zum Brauhaus am Schloss unter der Führung von Oliver Lemke.

2012 entsteht dann die Idee, Lemke-Bier auch auf Flaschen abzufüllen. Doch zunächst müssen die Grundlagen dafür geschaffen werden: Die ursprüngliche Brauerei am Hackeschen Markt wird zur Versuchsbrauerei umgebaut, es wird ein Labor inklusive eigener Hefebank eingerichtet. Schließlich wird die eigene Abfüllanlage installiert. Seit Ende 2015 sind die Lemke-Biere schließlich in Flaschen erhältlich, am Hackeschen Markt werden bis zu 200 Sude im Jahr produziert, die ausschließlich der Produktentwicklung dienen.

Ende 2015 ist es dann soweit: Die ersten Flaschen Lemke-Bier werden abgefüllt. Es dauert nicht lange und es werden weitere Lemke-Biere mit Preisen ausgezeichnet: Das Bohemian Pilsner erhält 2015 die Silber-Auszeichnung beim belgischen Wettbewerb Brussels Beer Challenge, die Hopfen Weiße erhält 2016 Silber beim Dublin Craft Beer Cup und das Imperial Stout der Brauerei Lemke wird 2018 beim European Beer Star mit Bronze ausgezeichnet.

Heute hat Lemke Berlin 130 Mitarbeiter und produziert 15 ganzjährig verfügbare Sorten, die auch in Flaschen erhältlich sind. Darunter vier verschiedene Berliner Weiße-Sorten, mehrere India Pale Ales, ein Pilsner Bier und ein holzfassgereiftes Imperial Stout.

Brauerei Lemke
  • Internet: www.lemke.berlin
  • Brauhaus am Hackeschen Markt: Dircksenstraße, S-Bahn-Bogen 143, 10178 Berlin
  • Brauhaus am Schloss Charlottenburg: Luisenplatz 1, 10585 Berlin
  • Brauhaus am Alex: Karl-Liebknecht-Str. 13, 10178 Berlin